Ohne Ehrenamt geht es nicht
„Sie sehen, ich war schon in jungen Jahren an Bädern interessiert“, schmunzelt Frank Wershofen und zeigt auf ein Foto, dass ihn als Einjährigen mit Schwimmreifen in einer Zinkbadewanne zeigt.

Die Begeisterung, die damals auf sein Gesicht gezeichnet ist, hat er bis heute nicht verloren, wenn es um das Installationsgewerbe geht, das ihm eindeutig in die Wiege beziehungsweise Badewanne gelegt wurde. Aus dem Achtjährigen, der dem Papa auf der Baustelle zur Hand ging, ist nicht nur ein Gas- und Wasserinstallationsmeister, sondern auch ein Obermeister Sanitär, ein Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Koblenz und ein Kreishandwerksmeister geworden. „Bis auf eine kurze rebellische Phase, als ich dachte, Elektriker wäre ja auch was, wollte ich schon immer Gas- und Wasserinstallateur werden. Ich hatte nie den Traum Lokomotivführer, Feuerwehrmann oder Pilot zu werden. Ich bin in meinen Beruf genau richtig“, ist sich der 64-jährige Heimersheimer Unternehmer sicher.
Neues wird ausprobiert
Dass sich sein Traumberuf in den 35 Jahren, in denen er zusammen mit seinem Bruder Andy die Wershofen GmbH führt, verändert hat, ist nicht zu übersehen. Nicht nur am Namen, denn aus dem ehemaligen Gas- und Wasserinstallateur ist der zeitgemäßere Anlagentechniker geworden. Dazu kommt die sich ständig weiterentwickelnde Technik im Heizungs- und Sanitärgewerbe, alles ist inzwischen hochtechnisiert. „Und unsere Kunden unterschreiben auf der Baustelle auch keine Stundenzettel mehr, sondern digital auf dem ipad. So werden die Daten direkt ins Büro übermittelt und die Zettelwirtschaft entfällt. Veränderungen waren für uns nie ein Problem. Wenn es was Neues gibt, probieren wir es aus, wie sollen wir sonst wissen, ob es was bringt oder nicht?“, berichtet der Seniorchef.
Doch ganz um Formulare kommt das Gewerbe auch im Zuge der Digitalisierung nicht herum. Gemeint ist die allgegenwärtige Bürokratie, die Wershofen neben dem Fachkräftemangel zurzeit als größte Herausforderung im Handwerk sieht. „Hier eine zusätzliche Nachweispflicht, da ein extra Formular – es heißt seit Jahren, die Bürokratie solle entschärft werden, aber in Wirklichkeit wird es immer schlimmer“, beschreibt der 64-Jährige die bittere Realität, die für zusätzliche Arbeit und Frust sorgt.
Eltern müssen ins Boot geholt werden
Doch zurück zum Fachkräftemangel. Als Ausbilder, aber auch Kreishandwerksmeister ist sich Wershofen des immer noch andauernden Studienbooms bewusst und versucht aktiv, die vielfältigen Chancen, Möglichkeiten und Optionen des Handwerks an Schulen potenziellen Auszubildenden nahezubringen. „Es gibt so viele Jugendliche, die beruflich lieber kreativ etwas mit den Händen erschaffen würden, doch oft sind es die Eltern, die möchten, dass ihr Kind studiert. Wir müssen die Eltern mit ins Boot holen“, weiß Wershofen. „Es gibt 135 Ausbildungsberufe, die man zum Leben braucht. Ausbildungsberufe, die dafür sorgen, dass wir ein Dach über dem Kopf und Elektrizität im Haus haben, fließendes Wasser, Möbel. Und dann gibt es mehr als 16.000 Studiengänge. Ich bezweifle, dass man die alle unbedingt zum Leben braucht, und wo sollen die alle einen Job finden?“ Dass das Handwerk heute nicht nur finanziell attraktiver ist denn je, davon ist Wershofen überzeugt: „Die Mischung aus hochmoderner Technik und Kreativität macht’s.“
Erst einmal ausprobieren lassen
Er selbst muss sich keine Sorgen um den Nachwuchs machen. „Wir sind die Macher der Energiewende – wer macht die denn sonst?“ singt Wershofen ein Loblied auf seinen Beruf und zählt die vielfältigen Bereiche erneuerbarer Energie wie Photovoltaik, Pelletheizung und Wärmepumpen sowie thermische Solaranlagen auf. Im 23 Mitarbeiter starken Unternehmen steht mit seinem Sohn Marcel und Lukas, dem Sohn seines Bruders Andy, beide Meister, schon die nächste Wershofen-Generation in den Startlöchern.

Auch an Azubis mangelt es nicht. „Wir bilden im Schnitt drei neue Gesellen aus, die wir dann auch gerne übernehmen. Wir legen viel Wert auf eine gute Ausbildung und unsere Azubis haben auch schon öfters als Prüfungsbeste abgeschnitten. Aber als erstes muss jeder potenzielle Azubi ein mindestens zweiwöchiges Praktikum absolvieren.“ In dieser Zeit durchlaufen die Kandidaten alle Bereiche, werden im Bäder Bau, bei den Solaranlagen und den Pellet-, Scheitholz und Gasheizungen eingesetzt. „Die jungen Leute müssen sich erst mal ausprobieren und schauen, ob ihnen der Beruf überhaupt Spaß macht, was ihnen liegt, was nicht und ob sie zu uns passen und wir zu ihnen.“
Klare Worte zu politischen Entscheidungen – „Katastrophal“
Auf die politischen Entscheidungen zum Thema Energie, Klimawende, beispielsweise Wärmepumpen und die damit verbunden Vorgaben der zukünftigen Wärmeversorgung, angesprochen, findet der Kreishandwerksmeister klare Worte: „Katastrophal. Die Kunden sind komplett verunsichert und wenn man sich als Fachmann nicht intensiv mit den neuen Vorgaben beschäftigt, weiß man auch gar nicht mehr, in welche Richtung man die Kunden beraten soll. Einige Aufträge bleiben wegen der allgemeinen Verunsicherung auch auf der Strecke, weil die Kunden erst mal abwarten wollen, ob es noch Fördergelder gibt oder nicht. Das sind wieder so Entscheidungen, die realitätsfern am Schreibtisch getroffen wurden“, macht sich Wershofen Luft.
Flut war die größte Herausforderung – 500 Heizungsbauer ins Ahrtal geschleust
Die größte Herausforderung in seinem bisherigen Arbeitsleben war jedoch unbestritten die Flut. „Wir mussten in der Nacht mitansehen, wie das Ergebnis von 30 Jahren Arbeit weggerissen wurde“, erinnert er sich an eine der härtesten Zeiten seines Lebens. „Container sind in unsere großen Schaufenster reingeschwommen, wir hatten mehr als fünf Meter Schlamm, Öl, Dreck und unzählige Leergutflaschen im Lager. Wir mussten alles wegschmeißen und neu bestellen. Als ein Betrieb, der Trinkwasserleitungen installiert, können wir keine schlammverschmierten Sachen benutzen.“ An einen Moment erinnert sich Frank Wershofen besonders: „Es war zwei Tage nach der Flut. Ich stand vor unserer zerstörten Ausstellung und hab‘ Rotz und Wasser geheult. Wenn die Jungs nicht gewesen wären, ich hätte alles verrotten lassen. Der Schlag war einfach zu weit unter der Gürtellinie. Doch dann kam mein Sohn, nahm mich in den Arm und sagte: , Papa, wir bauen das alles noch schöner wieder auf.‘“
Handwerkerfamilie hält zusammen

Und er hat Wort gehalten. Allerdings erst, nachdem die Betroffenen wieder mit funktionsfähigen Heizungen ausgestattet wurden. „Mit unserem eigenen Wiederaufbau sind wir in den letzten Zügen. Wir haben immer stückchenweise was gemacht, damit wir handlungsfähig sind. Wir mussten ja erst unsere Kunden bedienen, der Winter stand an und wir konnten keinen frieren lassen.“ Für Frank Wershofen bedeutete dies mehr als Anlagen installieren. „Ich habe nach der Flut mehr als 500 Heizungsbauer durch das Ahrtal geschleust. Die Handwerkerfamilie hält zusammen, so viele Kollegen haben an uns gedacht, von Hamburg bis München kamen sie, allein aus Oldenburg standen 70 Leute vor der Tür, und hatten noch eine Geldspende in Höhe von 20.000 € dabei.

Als Dankeschön wurde für die Mannschaft gegrillt. Die Steaks wurden damals von der Linus Wittich Medien KG gestiftet und der damalige Verlagsleiter Andreas Noll stand als Grillmeister an der Seite von Andy und Frank Wershofen. Aus München kam ein Trupp mehrmals, das ist Zusammenhalt. Alle wollten helfen und wo haben sie angerufen? Bei mir als Obermeister. Das war ein 24-Stunden-Job, ich hab das Telefon nicht mehr vom Ohr bekommen, ich musste ja alle vermitteln, saß selbst im Schlamm und hab‘ das alles noch nebenbei gemacht. Und wo fängt man an? Es sind ja Tausende Heizungsanlagen kaputt gegangen“, erinnert sich Wershofen und sieht durchaus auch die guten Seiten: „Ich habe viele Kollegen kennengelernt und es sind teilweise Freundschaften daraus entstanden. Das ist einfach ein toller Zusammenhalt. Wir haben auch nicht lange rumdiskutiert, haben die ganzen bürokratischen Vorschriften erst mal hintenangestellt und einfach angepackt, damit wir weiterkommen. Die Bauern haben uns mit ihren Maschinen den Weg frei gemacht, absolut top. Vor dem Laden haben wir einen Kühlwagen aufgestellt, einen Grill aufgebaut und abends kamen die Helfer und wurden versorgt. Die Bundeswehr hat auch regelmäßig Essen gebracht, denn die Läden waren ja alle zerstört oder zu.“
Ich bin kein Ordensjäger – aber trotzdem freue ich mich
Für seinen Einsatz in der Flut wurde Frank Wesrhofen mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz geehrt: „Ich bin kein Ordensjäger, dafür kann ich mir nichts kaufen, aber trotzdem freue ich mich über die Anerkennung.“ Die damalige Ministerpräsidentin Malu Dreyer kam mit Vertretern der Handwerkskammer Koblenz in den Wershofer’schen Betrieb, saß mit ihm in der zerstörten Ausstellung und wollte wissen, wie man helfen könne.

In der Flut zeigte sich auch einmal mehr, wie wichtig ehrenamtliche Hilfe ist. Als ehrenamtlicher Kreishandwerksmeister kann Wershofen ein Lied davon singen. Seit 2010 bekleidet der Heimersheimer das Amt, das er mit voller Überzeugung ausübt. „Ich bin ein Typ, der gerne mitsprechen und sich einbringen will, nicht nur meckern, sondern auch was machen.“ Durch seinen Vorgänger Peter Gierats kam Wershofen damals in den Vorstand, wurde dessen Stellvertreter und schließlich kommissarischer Kreishandwerksmeister, als Gierats zum Vizepräsidenten der Handwerkskammer Koblenz berufen wurde. Ein dreiviertel Jahr später wurde er in das Amt gewählt. Zu seinen Pflichten gehört unter anderem der Besuch bei den Vorständen der einzelnen Innungen oder die Überbringung von Grußworten bei Lossprechungsfeiern. „Das macht so viel Spaß, wenn man die strahlenden Gesichter der frisch gebackenen Gesellen mit ihren Gesellenbriefen sieht und wie wichtig diese Anerkennung und Wertschätzung ist“, freut sich Wershofen über Highlights seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. „Die Stunden, die ich dafür aufwende, hab‘ ich nie gezählt, ohne Ehrenamt geht es halt nicht. Leider kriegen wir immer mehr Steine in den Weg gelegt, wie beispielsweise immer mehr Dokumentationspflichten.“ Neben seiner fachlichen Expertise ist Wershofen besonders für seine humorvollen Grußworte bekannt. „Meine Reden haben immer ein Zitat am Anfang und am Ende. Die Leute wollen unterhalten werden und keine steifen Reden hören“, schmunzelt er.
Jüngere ranlassen
Alle fünf Jahre wird der Kreishandwerksmeister neu gewählt. In seiner 16-jährigen Amtszeit hatte Wershofen erst einmal einen Gegenkandidaten, was ihn sehr freute, auch wenn sich dieser letztendlich nicht gegen den erfahrenen Obermeister durchsetzen konnte. Anfang 2027 werden die Karten allerdings neu gemischt. Dann steht Frank Wershofen für das Amt des Kreishandwerksmeisters nicht mehr zur Verfügung: „Es wird Zeit, die jüngeren Leute ranzulassen, die haben andere, neue Ideen. Wenn man selbst nicht nach links oder rechts schaut, wird man betriebsblind. Mein Vater hat mir immer beigebracht, Ideen immer erst einmal zu prüfen und sie nicht direkt abzuschmettern. Der Spruch, Das haben wir schon immer so gemacht‘, ist kein Argument. Wenn es gute Ideen sind, probieren wir sie aus, das halte ich auch bei uns im Betrieb so. Wenn wir es nicht ausprobieren, wissen wir nicht, ob es funktioniert. Ideen einfach abzuwiegeln, steht mir nicht zu. Die Zeiten ändern sich und im eigenen Betrieb waren wir auch immer innovativ.“
Abschied aus dem Ehrenamt – dafür Gas als Opa geben
Der nächstjährige Abschied aus dem Ehrenamt fällt Wershofen nicht schwer: „Als Obermeister Sanitär und Vorstand in der Handwerkskammer Koblenz habe ich genug Nebenjobs.“ Langweilig wird es dem 64-Jährigen sicher nicht. Da ist zum einen sein Faible für den Rennsport, dem er nicht nur als Zuschauer auf den nahen Nürburgring frönt. „Früher bin ich auch selbst über die Nordschleife gefahren“, erinnert er sich und berichtet von seinem zwei- und vierrädrigen Fuhrpark und seinem ganzen Stolz, einem blau-metallic M2 oder der 54 Jahre alten Honda 550 mit Supersport 4 Zylinder. „Laut müssen sie sein, damit man sie auch hört“, lacht Wershofen. Für seine Zeit nach dem Kreishandwerksmeisteramt wünscht er sich vor allem zwei Dinge, weniger Arbeit und mehr Zeit. „Für meine Familie, meine Frau Annelie und meine Enkelin Finja. Denn als Opa muss ich richtig Gas geben, das geht mit Ehrenamt nicht“, so der 64-Jährige augenzwinkernd.

Nach Fünf Jahren ist die Ausstellung wieder aufgebaut und wird in Kürze wieder eröffnet
Text: Sandra Fischer Fotos: Privat und Andreas Noll
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