Der etwas andere Spieleladen im Herzen Ahrweilers als Gegenpart zum schnelllebigen, digitalen Alltag

Mitten im Herzen von Ahrweiler liegt eine fantastische Welt. Eine Welt voller Abenteuer, Mysterien, fabelhafter Gestalten und tapferer Helden, die in mehr als 2500 Spielen abseits von iPads, Videospielen und Spielekonsolen unzählige Stunden analoger Unterhaltung als Gegenpart zum schnelllebigen digitalen Alltag verspricht. Ein Konzept, das aufgeht, berichtet Ladenbesitzer Alexander Petkovski, der sich mit dem Brettspielheld einen lang gehegten Traum erfüllt hat. „Seit ich 20 war, hatte ich schon immer ein Spiele-Café mit Verkauf im Kopf.“ 2015 kommt der gebürtige Ahrtaler seinem Traum ein Stückchen näher – mit ein paar Regalen in der Altenbaustraße und limitierten Öffnungszeiten freitagnachmittags und samstags, die es ihm ermöglichen, seinen eigentlichen Job als Shopleiter im Mobilfunk weiterzumachen. „Wir haben hin- und her gerechnet. Besteht genügend Bedarf oder nicht, und haben dann per Mundpropaganda verlauten lassen, dass wir ein geeignetes Ladenlokal suchen.“ In 2017 sollte es dann endlich so weit sein und im September öffnete der Brettspielheld erstmals seine Türen in der Niederhutstraße 54 – und das mit großem Erfolg. In 2021 folgte die Erweiterung des Ladens auf 75 Quadratmeter, die am 17. Juli 2021 mit einer Neueröffnung gefeiert werden sollte – doch die Flut hatte andere Pläne…
Seit 2022 ist der Brettspielheld post Flut wieder geöffnet und kann sich als eines von ganz wenigen Fachgeschäften deutschlandweit, das sich ausschließlich auf Brett- und Gesellschaftsspiele spezialisiert hat, über Kunden aus der ganzen Republik freuen. Denn als jemand, der 90 Prozent der Spiele in seinem Laden schon selbst gespielt hat, kann Petkovski seine Kunden bestens beraten. „Die Leute sind ausführliche und individuelle Beratungen allerdings gar nicht mehr gewohnt. Die sind immer ganz verdutzt, wenn ich denen so viele Fragen stelle, beispielsweise mit wie vielen Leuten gespielt werden soll und ob sie gegeneinander oder miteinander spielen wollen.“ Das Repertoire des ikonischen Einzelhandels umfasst dabei von Spielen für Kinder ab 1,5 Jahren Spiele für Familien, Kenner, Experten, Gelegenheitsspieler, Vielspieler und Nerds.
Handpuppen und experimentelle Spiele runden das Sortiment ab
Abgerundet wird das Sortiment von Handpuppen und experimentellen Spielen wie Chemiebaukasten, Kugelbahn oder dem Klassiker Urzeitkrebsen. „Oft kommen Kunden in den Laden und sagen, ,Wir wollen heute Abend was spielen, was haben Sie denn da?‘, und sind erst einmal völlig erschlagen, wenn sie die Fülle an Spielen in unseren drei Verkaufsräumen sehen. ,Wir wussten gar nicht, dass es so viele Spiele gibt‘, höre ich dann oft.“

Ein Monopoly-Spiel wird man im Brettspielheld allerdings vergeblich suchen. „Das böse Wort mit M“, schmunzelt Petkovski und betont: „Wir verkaufen grundsätzlich kein Monopoly. Das spielt man nicht, da wird man gespielt. Im Gegensatz zu anderen Spielen hat man keine Möglichkeit, den Spielverlauf zu beeinflussen. Außerdem ist das Konzept des Spiels Kapitalismus pur und davon hat man im normalen Leben genug, das braucht man nicht noch im Spiel“, betont der 47-Jährige. „Das Einzige, was man dem Spiel abgewinnen kann, ist, das Kinder lernen, mit Geld umzugehen“, räumt er ein. Auch gegen Uno, Skibbo und Phase 10 hat sich Petkovski lange gesträubt – „weil es für all diese Spiele günstigere Alternativen gibt. Aber die Kunden wollen nun mal das Original“, gibt er sich geschlagen.

Doch auch ohne das böse Wort mit M im Sortiment kann sich der Brettspielheld über treue Stammkunden freuen. Dabei ist die Kundschaft so bunt gemischt wie das Spielesortiment. „Von Großeltern, die ihren Enkeln die Klassiker wie Schach oder ,Mensch ärgere dich nicht‘ weitergeben wollen, bis hin zum Nerd, der sich auf Sammelkarten und Rollenspiele spezialisiert hat.“ Durch Corona hat nicht nur das 2-Personen-Brettspiel ein Comeback erfahren, auch das alteingesessene Puzzle erlebte ein Revival und hat sich neu erfunden. „Puzzle sind einer der ganz großen Gewinner von Corona“, weiß Petkovski. Denn neben dem klassischen 500- oder 1000-Teile-Motiv wetteifern nun zahlreiche Varianten des Suchspiels um die Kunst der Puzzler: runde Puzzle, Exit-Spiel-Puzzle, Puzzle mit Stories, Rätseln oder Krimispielen, Wimmelbild-Puzzle, Puzzle, bei denen man das Motiv erst erraten muss, Puzzlestücke in außergewöhnlichen Formen, 3-D-Puzzle und für die ältere Generation Puzzle mit extra großen Teilen. „Die waren schon mal komplett vom Markt verschwunden, aber zum Glück haben die Verlage auf den Fachhandel gehört und sie wieder aufgelegt“, freut sich Petkovski. Auch andere Spiele zeichnen sich mit größeren Spielfiguren, Zahlen oder Zeichen als seniorenfreundlich aus.
Im prall gefüllten Ladenlokal sticht ein Regal ganz besonders hervor: Die Aktion hoher Spielwert. 46 Spielläden aus ganz Deutschland haben sich hierbei zusammengeschlossen und empfehlen alle zwei Monate sechs außergewöhnliche Spiele, die aus der Norm fallen und sich durch besonders hohen Spielwert auszeichnen. Auch der Brettspielheld ist dabei.
Dass der Trend trotz der gefühlten digitalen Übermacht weiterhin zum analogen Spielvergnügen geht, beweist auch die gestiegene Zahl der neuen Spiele, die jedes Jahr auf den Markt kommen. „Vor zehn Jahren waren es weltweit 600 bis 700 Neuheiten, heute sind es knapp 1800. Davon schaffen es 400 bis 600 auf den deutschen Markt.“ Hierbei werde das Rad nicht neu erfunden, vielmehr gehe es darum, bereits vorhandene Mechanismen so zu kombinieren, dass ein neues Spielgefühl entsteht, erklärt Petkovski. „Die Escape-Spiele waren das letzte neue Genre, das auf den Markt gab, so etwas gab es vorher nicht.“ Als passionierter Spieler hat auch der 47-Jährige öfter mal darüber nachgedacht, sein eigenes Spiel zu kreieren. „Vor 20 Jahren haben wir im Freundeskreis mal überlegt, ein Strategiespiel zu erfinden, dass sich erst im Laufe des Spiels entwickelt. Einen halben Urlaub haben wir drüber sinniert und uns Sachen ausgedacht, aber letztendlich ist es aus Zeitmangel im Sande verlaufen.“
Herr der Spiele
Als Herr von mehr als 2500 Spielen fällt die Wahl eines Lieblingsspiels natürlich schwer. Auch wenn Petkovski immer wieder gerne zu Everdell greift, einem Strategiespiel, das sich neben seinem komplexen Spielverlauf durch herausragende Grafik und Artwork auszeichnet, hat „Die Siedler von Catan“ einen ganz besonderen Platz in Petkovskis Spielerherz. „Das ist meine Jugend, damit bin ich aufgewachsen und das ist heute das einzige Spiel, bei dem ich ehrgeizig spiele und gewinnen muss. Mit dem Spiel bin ich damals auf Turniere gefahren und habe an der deutschen Meisterschaft teilgenommen.“
Auch wenn Alexander Petkovski heute nicht mehr auf Turnieren vertreten ist und versucht, das Spielen auf seine Geschäftszeiten zu beschränken, gelingt ihm das nicht ganz. So sucht er jedes Jahr über Karneval mit 45 bis 50 anderen Spielefreunden das Weite. „Von Weiberdonnerstag bis Rosenmontag wird dann gespielt, dabei kommt alles auf den Tisch, vom einfachen Kartenspiel bis zum sechs- bis achtstündigen Strategiespiel.“ Der Brettspielheld organisiert außerdem die Spieletage Bad Neuenahr-Ahrweiler, die 2024 und 2025 mehr als 1000 Spielefans ins Kloster Calvarienberg lockten. Darüber hinaus gibt es spezielle Veranstaltungen für Sammelkartenfreunde und alle 14 Tage bleibt der Laden freitags bis 22 Uhr zum Spieleabend geöffnet. Ein Regal mit 200 Spielen steht dafür bereit.
Unterstützung für die Junggesellenvereine

Als Zeichen der Verbundenheit mit der Region gibt es im Brettspielheld auch Puzzle mit exklusiven, heimischen Motiven: Den Ahrweiler Stadttoren. Geboren wurde die Idee eines Spiels mit lokalem Bezug vor der Flut, als die Landesgartenschau noch stattfinden sollte. „Nach der Flut hatten wir ja erst einmal viel Zeit. Zuerst wollten wir Rommé- oder Skatspiele mit Ahrweiler Motiven herausgeben, aber das machen schon so viele Orte. Dann kam uns die Idee mit Ravensburger zu kooperieren, die bieten individuelle Puzzle nach Kundenwünschen an. Für uns war klar, wir machen als erstes die Stadttore, das sind die Ahrweiler Wahrzeichen“, erinnert sich Alexander Petkovski. Mit dem Ahrtor als Model Nummer eins ging es in 2023 los und schon bald stapelten sich neun Palgeöffetten mit insgesamt 1000 Puzzles vor dem Geschäft in der Niederhutstraße. „Mir war gar nicht bewusst, wie viel 1000 Puzzles eigentlich sind, die muss man auch erst einmal lagern können“, schmunzelt der 47-Jährige. Doch schon bald sollten die Exemplare wegen der großen Nachfrage weniger und weniger werden und Model Nummer 2, das Niedertor, folgte ein Jahr später. Als drittes Tor im Bunde durfte das Adenbachtor ein weiteres Jahr später posieren und im August/September kommt nun das Obertor ins Sortiment. Petkovski hat auch schon Ideen für Nachfolgemotive: „Definitiv der Calvarienberg, bevor der Umbau erfolgt. Und ich hätte so gerne ein Bild von der beleuchteten Kirche mit den Martinsfeuern im Hintergrund. Alles, was preislich über dem liegt, was ich zur Kostendeckung brauche, würde ich dann an die Junggesellenvereine spenden.“
TEXT und FOTOS: Sandra Fischer
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