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Zu Besuch bei Kiwis und Hobbits

Reiselust | 21. April 2026

In Neuseeland traumhafte Landschaften, faszinierende Kultur und köstliche Kulinarik entdecken

„Kia Ora, haere mai“. In Shorts und Flip Flops und mit einem breiten Lächeln begrüßt uns Hone in der auckländischen Sommerbrise. Es ist Ende November und während in Deutschland bald der Run auf die Weihnachtsmärkte beginnt, freuen sich die Neuseeländer auf Meri Kirihimete, frohe Weihnachten, und den beginnenden Hochsommer. „Hat alles gut geklappt beim Zoll?“, will unser Maori-Guide wissen. Denn schon bei der Landung wird klar: In Aotearoa, dem Land der langen, weißen Wolke, wie Neuseeland in Te Reo Māori, der Sprache der indigenen Māori, genannt wird, ticken die Uhren anders. Ganz abgesehen vom zehn- bis zwölfstündigen Zeitunterschied je nach Sommer- oder Winterzeit. Denn der niedliche Beagle, der die ankommenden Gäste beschnüffelt, ist nicht nur auf der Suche nach Drogen. Als Land, das von landwirtschaftlichen Exporten lebt und Schädlingsbefall jeder Art verhindern muss, können beispielsweise nicht deklariertes Obst, Gemüse, Fleisch oder Honig die Reisekasse um einige hundert Dollar erleichtern.

Wir haben den Beagle-Test bestanden und während wir uns Schicht um Schicht aus der warmen Winterkleidung pellen, steuert Hone unser Quartier für die nächsten Tage an. In Tagesausflügen wollen wir den Großraum Auckland erkunden, bevor wir die Metropole verlassen und das Land von Kiwis, Rugby und Herr der Ringe entdecken. Wobei der Begriff Kiwi multifunktionsfähig ist und sich sowohl auf die Frucht, den flugunfähigen Vogel und Wappentier als auch auf den Einwohner beziehen kann.

Von letzteren hat es mit 1,5 Millionen Bewohnern mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung nach Auckland gezogen, erklärt uns Hone während der rund 20-minütigen Fahrt vom Flughafen in den Stadtteil Westmere und hat auch gleich ein paar statistische Daten auf Lager: Auf einer Fläche von 268.000 Quadratkilometern leben gerade mal 5,2 Millionen Einwohner – und 23 Millionen Schafe. Im Vergleich: In Deutschland leben 84 Millionen Menschen auf 357.000 Quadratkilometern. Dafür aber nur rund 1,5 Millionen Schafe. Und: Der Großraum Auckland ist auf mehr als 50 Vulkanen errichtet, was sich im Stadtbild als begrünte Krater widerspiegelt oder wie im Fall von Rangitoto als Insel vor den Toren der Stadt. In der Sprache der Māori heißt Auckland Tāmaki Makaurau (gesprochen Tammaki Makodo), was übersetzt so viel wie „von vielen begehrt“ bedeutet und auf die vielfältigen Ressourcen der Gegend und die strategische Position an zwei Häfen hinweist. Wegen der Fülle von Kreuzfahrt- und Cargoschiffen und besonders Yachten und Segelbooten firmiert die Stadt auch als „City of sails“ (Stadt der Segel).

Kaum haben wir im gemütlichen Air B`n B von Gastgeberin Judy unseren Jetlag ausgeschlafen, geht es auch schon auf Entdeckungstour. Das Touristenherz der Nordinselmetropole schlägt in der Queen Street, die sich von der K-Road, bekannt für Drag-Shows, Drogen und Mekka der LGBTQIA+ -Bewegung, zum Hafen runterzieht. Dabei reihen sich Gucci, Prada und Louis Vuitton-Läden neben Souvenirshops, Fastfoodketten, die Stadthalle und die omnipräsenten Ladenketten.

Am Hafen heißt es „Alle an Bord“, denn unser erster Ausflug führt nach Waiheke Island. Die Edelinsel 40 Schiffsminuten vor den Toren Aucklands hat sich von der Hippie- zur Yuppie-/Hipster-Destination entwickelt und ist bekannt für traumhafte Strände, exquisite Weine, außergewöhnliche Boutiquen und hochwertiges Kunsthandwerk. Mit dem Bus geht es von einer malerischen Bucht zur nächsten. Unsere Route führt von Palm Beach nach Little Oneroa Beach, bevor wir den Tag stilecht bei einem neuseeländischen Wein ausklingen lassen.

Eine weitere Fährfahrt, die sich lohnt, ist die zwölfminütige Reise vom Auckländer Hafen nach Devonport, einem alteingesessenen Stadtteil und Marinestützpunkt. Zwischen Antiquitätenläden, historischen Gebäuden und Boutiquen reihen sich Cafès und Restaurants, die einen kulinarischen Abstecher wert sind.

Apropos Kulinarik: Neben Outdooraktivitäten aller Art dreht sich in Neuseeland viel rund ums Essen und Trinken. Das spiegelt sich im privaten, geselligen Rahmen oft mit BBQ/Barbie (Grill) und Bier im Garten oder am Strand wider und in der gastronomischen Küche in einer gelungenen Fusion der kulinarischen Highlights jener Kulturen, die neben den Ureinwohnern und Pakehas (Nachfahren der europäischen Siedler) die buntgemischte Bevölkerung Neuseelands ausmachen. Mit 17 Prozent der Gesamtbevölkerung sind hierbei die Asiaten ganz weit vorne, was sich unter anderem in der Anzahl der Sushi-Läden niederschlägt. Auch sonst ist die lukullische Vielfalt Neuseelands ein Beleg für den Schmelztiegel der Kulturen. So finden sich neben dem kulinarischen Erbe Englands in Form von Fish and Chips, Baked Beans (gebackenen Bohnen), Sausage Rolls (Würstchen im Teigmantel) und Pies (herzhaften Pasteten) Pizza, Pasta, Döner, Tacos und Curries jeder Art auf der Speisekarte. Und immer wieder wird die gastronomische Landschaft auch von deutschen Bäckereien durchzogen – eine Hommage an das belegte Brötchen und kerniges Vollkornbrot, ein entfernter Verwandter der labberigen Toastscheibe, die das Kolonialerbe mit sich gebracht hat. „Aber nichts geht über ein gutes Hangi“, schwärmt Hone von einer māori-typischen Zubereitungsart, bei der Fleisch, Gemüse und Süßkartoffeln traditionell im Erdofen gegart werden. 

Eine andere Besonderheit ist die ausgeprägte Kaffeekultur, die von den Kiwis ausgiebig mit Long Blacks, single oder double shot Flat Whites, Lattes und zahlreichen pflanzlichen und tierischen Milchoptionen zelebriert wird. Allerdings nur bis zum frühen Nachmittag, denn wenn der Deutsche gerade erst Kaffee und Kuchen auspackt, ist der Arbeitstag für den neuseeländischen Cafébetreiber bereits zu Ende. Und wo könnte man der Kiwi-Kaffee-Kultur besser frönen als in Ponsonby und Grey Lynn, dem Epizentrum der Hipsterbewegung und Anlaufpunkt, wenn es um Cafés, Bars, schicke Restaurants und edle Boutiquen geht. Schick ist es auch im Stadtteil Mission Bay/St. Heliers, aber hier kann man sich zwischen Mittag- und Abendessen auch noch an den kilometerlangen Strand legen. Dabei immer im Blick: Rangitoto Island mit dem majestätischen Vulkan. Wer im Osten Aucklands Strandbilder macht, kommt an dem ikonischen Wahrzeichen nicht vorbei. 

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Apropos Strand: Die Legende besagt, dass es in Neuseeland keinen Ort gibt, der mehr als 80 Kilometer vom Meer entfernt ist. Auch wenn sich das mit dem Blick auf die Landkarte als charmante Übertreibung herausstellt, ist die Nachricht klar: In Aotearoa spielt sich (fast) alles draußen ab. Kein Wunder bei einer landschaftlichen Diversität, die ihresgleichen sucht. Wo sonst findet man schneeüberzogene Berge, steile Sanddünen, sattgrüne Hügellandschaften wie aus der Märklin-Eisenbahnanlage und kilometerlange, oft menschenleere Strände nur wenige Autostunden voneinander entfernt? Es scheint, als hätte jemand die besten Attribute unterschiedlicher Länder in einem einzigen Land zusammengefasst.

Dazu gehören auch die schwarzen Sandstrände, die sich an der Westküste im Auckländer Raum entlangziehen. „Heute ist es bewölkt, das ist perfekt für Piha, ihr verbrennt euch sonst am schwarzen Sand und Schatten gibt es da auch kaum“, erklärt Hone, als er uns in Westmere abholt. Nach einem Kaffee im gut situierten, künstlerisch angehauchten Titirangi, stoppen wir am Arataki Visitor Center, das nicht nur einen beeindruckenden Ausblick auf die Waitakere Ranges und viele Infos zur heimischen Kultur, Fauna und Flora bietet, sondern auch Ausgangspunkt für einen kurzen Rundweg durch üppigen Busch, inklusive Farnen und beeindruckenden Kauribäumen ist. Ganz wichtig: Schuhe desinfizieren, betont Hone, um Kauri Dieback zu bekämpfen, eine Krankheit, die die ikonischen neuseeländischen Bäume bedroht. Schnell noch ein Foto im überdimensionalen Bilderrahmen und schon geht’s weiter nach Piha.

45 Minuten von Auckland entfernt ist der kleine Küstenort ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen und ganz speziell Surfer. Doch die starken Strömungen sind nicht ungefährlich. „Immer zwischen den Fahnen schwimmen, und schauen, ob Rettungsschwimmer im Einsatz sind“, ermahnt uns Hone. Nach einem erfrischenden Bad innerhalb der sicheren Zone spazieren wir zum charismatischen Lion Rock, immer bedacht, uns im heißen, schwarzen Sand nicht die beflip-flopten Füße zu verbrennen. Denn natürlich haben wir uns ganz der Landestradition entsprechend schon mit dem Nationalschuhwerk ausgestattet. Dazu Sonnencreme mit SPF 50 plus ein Hut, um die Strahlung der um ein Vielfaches stärkeren Sonne einzudämmen, und im Rucksack Schichten für den Zwiebellook, denn laut Hone sind vier Jahreszeiten an einem Tag in Aotearoa nichts Ungewöhnliches – einheimischer geht es kaum. Hone ist zufrieden und führt uns als Belohnung noch zu den 40 Meter hohen, mehrstufigen Kitekite Falls. Wow, was für ein Ausblick über die Waitakere Ranges.

Geburtsland des Bungeejumps

Zurück in Auckland genießen wir eine weitere eindrucksvolle Aussicht. Vom 220 Meter hohen Skydeck des ikonischen Skytowers kann man je nach Wetterlage bis zu 82 Kilometer in die Ferne schauen. Nur wenige Meter unter uns, auf 192 Metern Höhe, stürzen sich Abenteuerlustige mit 85 Stundenkilometern beim SkyJump von Neuseelands höchstem Gebäude in die Tiefe. Kein Wunder, gilt doch Neuseeland als Geburtsland des Bungeejumps. Gute Nerven braucht man auch auf dem Aussichtsdeck, das auf 186 Metern liegt und einlädt, sich am Rand auf 38 Millimeter dicke Glaselemente im Boden zu stellen, durch die man strack bis zur Straße runterschaut. Und wer schon bei der Herr der Ringe-Triologie die Special Effects bewundert hat, kann im Skytower bei der „Weta Workshops Unleashed“-Tour einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen der Filmspezialisten werfen.

Heute ist Samstag, das bedeutet in Neuseeland unter anderem, auf geht’s zu einem der vielen Farmer’s Markets, wo heimische Produzenten frisches Obst, Gemüse, Backwaren, aber auch Kunsthandwerk anbieten, oft zu Live-Musik. In Mangawhai, das inoffiziell den Zusatz „magical“ trägt, buhlen gleich zwei Märkte am Samstagvormittag um die Aufmerksamkeit der Besucher. Das wollen wir uns doch nicht entgehen lassen. Es ist gerade mal 8 Uhr, als Hone das Auto über die Harbour Bridge steuert und wir nordwärts gen Mangawhai fahren. Rund anderthalb Stunden später sind wir im idyllischen Küstenort angekommen. Auf dem Markt in der Mangawhai Tavern schlemmen wir uns zur Musik einer heimischen Band durch das kulinarische Angebot, bevor es zum Strand geht. Dieser präsentiert sich scheinbar kilometerlang, durchzogen von lediglich ein paar vereinzelten Handtüchern: ein ungewohnter Anblick für europäische Strandgänger.

Doch es sollte noch besser kommen. „Kommt mal mit, es ist gerade Ebbe, das passt perfekt, so können wir ganz rumgehen“, sagt Hone und führt uns auf den bekannten Cliff Top Wanderweg mit Atem beraubenden Ausblicken auf die rau-wilde Küstenlandschaft mit den außergewöhnlichen Steinformationen im Pfannkuchenschicht-Look und urigen Bäumen, die ihre kunstvoll gewundenen Zweige in den strahlend blauen Himmel strecken. Danach haben wir uns eine süße Belohnung verdient, die uns in der lokalen Schokoladenfabrik bei einer Vielzahl handgemachter Köstlichkeiten vor die Qual der Wahl stellt. Je eine Tafel Mangawhai Sea Salt und Milchschokolade mit Feijoja, einer neuseelandtypischen Frucht mit ihrem einzigartigen süß-herben Geschmack, kommen als Souvenir mit. Auf dem Rückweg nach Auckland kehren wir noch im ikonischen Pub in Puhoi, einer ehemals böhmischen Siedlung, ein. Dass dies ein bevorzugtes Ausflugziel von Fahrzeugenthusiasten aller Art ist, zeigen die zahlreichen Motorräder und Oldtimer am Straßenrand. Wir holen uns im urig eingerichteten Pub ein wohl verdientes Feierabendbier und eine deftige Portion Fish und Chips, die wir auf der Terrasse zu den rockigen Klängen einer Live-Band genießen. Der perfekte Abschluss eines perfekten Tags!

Am nächsten Tag heißt es Koffer packen und Abschied neben von Judy und ihrer Gastfreundschaft. Nächster Stopp: Die Halbinsel Coromandel, genauer gesagt der Hot Water Beach in Hahei. Rund 2,5 Stunden später stehen wir mit Spaten und Badekleidung am Strand und buddeln uns unseren eigenen Hotpool. Hone hat unsere Ankunft bestens getimt, denn nur zwei Stunden vor oder nach Ebbe ist dieses besondere Erlebnis möglich. Wie es aussieht, sind wir nicht die Einzigen, die die außergewöhnlichen geothermischen Eigenschaften des Strandes nutzen wollen. Gut, dass wir so früh dran sind, so können wir uns ein gutes Plätzchen sichern. Nach mehreren erfolglosen Buddelversuchen stoßen wir auf eine heiße Quelle und liegen bald entspannt im selbstgemachten Pool. Die reinschwappenden Wellen des kühlen Meeres sind dabei eine wohltuende Abkühlung bei solch heißen Temperaturen. Als immer mehr Spaten beladene Touristen am Horizont auftauchen, geben wir unser privates Spa freiwillig ab.

Im Hone-Taxi geht es nach Ferry Landing und nach einer wenige Minuten langen Fährfahrt und ein paar Gehminuten befinden wir uns im Zentrum von Whitianga. Mit einem herzhaften Mittagessen stärken wir uns, bevor wir per Boot die berühmte Cathedral Cove erkunden, ein majestätisches, kathedralähnliches Kalksteingewölbe, das perfekt den goldgelben Strand und den türkisblauen Südpazifik einrahmt. Eine Herausforderung für die Speicherkapazität jeder Handykamera.

Diese sollte auch am nächsten Tage wieder zur Genüge gefordert werden. Denn was wäre ein Neuseelandaufenthalt, ohne in die magische Filmwelt von „Herr der Ringe“ und dem Hobbit einzutauchen? Rund 2,5 Stunden südlich liegt Matamata, von wo aus wir unsere Reise ins Auenland starten. 44 individuell gestaltete Hobbithäuser warten darauf, von uns entdeckt zu werden. Hierbei fällt vor allem die Liebe zum Detail auf: Blumen umranken die bunten Eingangstüren, Gardinen in den Bleiglasfenstern vermitteln Hobbit-Hygge, auf Wäscheleinen wehen Hobbithosen und -hemden im Wind, die Vorgärten wetteifern mit farbenfrohen Blühwiesen und Bienenstöcke und Lampions ziehen sich durch die sattgrünen, sanften Hügel. Natürlich darf auch ein Blick auf Beutelsend, die berühmte Behausung von Bilbo Beutlin und Frodo, nicht fehlen und eine Hobbit-Behausung lädt sogar zum Reinkommen und Erkunden ein. Mit einem leckeren Apfelwein am knisternden Kaminfeuer im Green Dragon Inn lassen wir unseren Besuch im Auenland stilecht ausklingen.

Nach diesem Ausflug in die Fantasiewelt von J.R.R. Tolkien nähern wir uns am nächsten Tag der faszinierenden Kultur von Neuseelands Ureinwohnern, den Māoris. Dafür gibt es kaum einen besseren Ort als Rotorua, von den Kiwis auch liebevoll Rotovegas genannt. Schon vor dem Überqueren der Stadtgrenze werden wir vom typischen Schwefelgeruch begrüßt. Der „Duft“ fauliger Eier sollte uns die nächsten Tage auf Schritt und Tritt begleiten, ebenso wie der omnipräsente Dampf, eine beeindruckende Demonstration von Rotoruas geothermischen Eigenschaften. Die wollen wir erst mal am eigenen Leib erfahren. Im „Hell’s Gate“ genießen wir den mineralstoffreichen Schlamm und die heißen Quellen. Die olfaktorische Herausforderung wird dabei durch babyweiche Haut wieder gutgemacht.

Nach so viel Wellness sind wir bereit für Kunst und Kultur. Die gibt es zur Genüge im lebenden Māori-Dorf Whakarewarewa. Beeindruckende Tänze, Gesänge und natürlich der legendäre Haka, den nicht nur Rugby-Fans kennen, lassen uns tief in die Kultur der Māoris eintauchen, bevor wir bei einem Rundgang die geothermischen Besonderheiten erkunden.

Mehr davon gibt es rund 30 Kilometer außerhalb von Rotorua. Im Wai-o-Tapu Thermal Wonderland ist nicht nur der berühmte orangefarbene Champagner-Pool, eine der größten Thermalquellen Neuseelands, zu finden, sondern auch der Lady Knox Geysir, der täglich Punkt 10.15 Uhr eine Fontäne heißes Wasser ausstößt. Entdeckt wurde er anno dazumal von Strafgefangenen, die in den heißen Quellen ihre Wäsche mit Seife wuschen und damit die Fontäne auslösten, erklärt unser Guide, während er Waschpulver in den Geysir schüttet.

Zurück in Rotorua führt Hone uns zu den Government Gardens mit dem historischen Badehaus im Tudor-Stil. Das Äquivalent eines heutigen Kurhauses beherbergt ein Museum, in welchem wir uns auf eine Zeitreise durch die wechselvolle Geschichte des Badehauses begeben. Für den Abend hat sich Hone etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Ein nächtlicher Spaziergang durch die Baumwipfel des Redwoodwaldes.

Schon vom Parkplatz aus sehen wir den Schein der Laternen, der die 120 Jahre alten Bäume ins rechte Licht rückt. Hone hat die Karten vorab online gebucht, das erspart uns langes Anstehen und schon bald befinden wir uns 20 Meter über dem Boden auf einem 700 Meter langen Rundwanderweg mit 28 Hängebrücken in den Kronen der majestätischen Baumsenioren. Stimmungsvolle Illuminationen, mal in ätherisch-kühlen Blau-, Grün- oder Violet-Tönen, mal in warm-schmeichelndem Orange-Rot setzen zauberhafte Akzente, während kunstvoll designte Lampions die Redwoods in einen glitzernden Märchenwald verwandeln – ein wahrhaft magisches Erlebnis!

Mystisch wird es auch in Ohinemutu, einem Māori-Dorf am Lake Rotorua. Es ist besonders bekannt für die anglikanische St. Faith-Kirche mit ihrem außergewöhnlichen Mix aus europäischem Stil und starken Māori-Einflüssen. Besonders beeindruckend: Das zur Seeseite liegende Fenster zeigt eine Jesusfigur im typischen Māori-Umhang, die über den See zu gehen scheint.

Nach so viel göttlichem Einfluss verabschieden wir uns von Rotorua und dem allgegenwärtigen Eiergeruch. Auch wenn es viele Touristen besonders wegen der zahlreichen abenteuerlichen Aktivitäten wie Ziplining, Rafting oder Zorben nach Rotorua zieht, orientieren wir uns Richtung Wellington. Als Hauptsitz der neuseeländischen Filmindustrie und Standort der Weta Workshops wird die Hauptstadt der Kiwis auch liebevoll Wellywood genannt – oder windy Wellington angesichts der oft abenteuerlichen Windstärken, die den Flugverkehr von und nach Wellington beeinträchtigen. Dies verdeutlicht auch ein Hollywood ähnliches Namensschild mit den letzten Buchstaben „vom Winde verweht“.

Wellington ist nicht nur die Hauptstadt und Ausgangspunkt für den Fährverkehr über die Cook Strait zur Südinsel, sondern auch das Mekka für Liebhaber von gutem Essen und Trinken. Angeblich gibt es in Wellington mehr Cafés und Restaurant pro Einwohner als in New York, und Hone zählt uns direkt ein paar seiner Lieblingscafés auf: „Dough Co, Belen, Earth Monkey oder Hangar, da gibt es den besten Kaffee und nicht nur von Neuseeland“, setzt er die Messlatte ziemlich hoch. Auch was Restaurants angeht, hat er seine Favoriten parat: „Kisa, Mr Go’s, Mockingbird, Juniper, Koji, Nolita und Beach Babylon und wenn ihr zum Brunchen wollt, probiert unbedingt The Botanist, Maranui Café oder Floriditas“, rät er uns und leckt sich in Erinnerungen schwelgend genüsslich die Lippen. Letzteres liegt auf der Cuba Street, bekannt für Kunst, Kultur, Kulinarik mit zahlreichen Musikstores, Secondhand-Läden, Galerien, Boutiquen und Cafés. Nach einem der weltbesten single shot Flat Whites schlendern wir gemütlich durch die Straßen Richtung Hafenviertel. Die Temperatur ist angenehm, statt stürmischen Böen weht ein sanftes Lüftchen. „An einem guten Tag ist Wellington unschlagbar“, versichert uns Hone mit einem weiteren Werbeslogan der Hauptstadt, die sich mit einem überdimensionalen Namensschriftzug am Hafen ein fotografierwürdiges Denkmal gesetzt hat.

Am Wasser entlang flanieren wir bis zum Te Papa, der Mutter aller Museen. Das Nationalmuseum lockt nicht nur mit freiem Eintritt und teils interaktiven Erlebnissen, es beherbergt auch mehr als zwei Millionen Ausstellungsstücke und gibt neben wechselnden Sonderausstellungen einen Einblick in die faszinierende Geschichte von Aotearoa und seinen Ureinwohnern. „Hier könnte man Tage oder Wochen verbringen, jedes Mal, wenn ich in Wellington bin, schau ich mir eine andere Abteilung an“, schwärmt Hone und sucht sich seinen heutigen Schwerpunkt aus. „Schaut euch auf jeden Fall die Ausstellung über den Waitangi-Vertrag an, der 1840 zwischen der englischen Krone und den Māoris geschlossen wurde“, empfiehlt er uns, bevor er in Richtung des gigantischen, mehr als vier Meter langen, Tintenfisches verschwindet, der in einem Tank konserviert von einer Menschentraube bestaunt wird. Viele Stunden später haben wir einen guten Überblick über Fauna, Flora, Kunst, Kultur und Historie des Landes und sind bereit für mehr Aktivitäten.

„Wie wär‘s mit Cable Car fahren?“, schlägt Hone vor. Denn Wellington hat nicht nur viele viktorianische Häuser und steile Straßen, auch in Sachen Cable Car kann das neuseeländische Pendant zu San Francisco seit 1902 mithalten. Nach einer kurzen Shoppingtour in Lambton Quay steigen wir am Ende der Cable Car Lane in einen der ikonischen roten Wagen. Über Clifton, Talawera und Salamanca Station geht es zum Kelburn Terminal hoch über der Stadt. Von hier genießen wir den sensationellen Ausblick über die Stadt und den Hafen zu unseren Füßen.

Nach drei Wochen ist unsere Zeit leider zu Ende, time to say goodbye. Hone fährt uns zum Flughafen, vorbei an Palmen, viktorianischen Häusern, rot blühenden Pōhutukawa-Bäumen, auch neuseeländische Weihnachtsbäume genannt wegen ihrer Blütezeit von November bis Januar – und fröhlicher Weihnachtsdeko in Form von surfenden Santafiguren. Ein ungewohnter Anblick für europäische Augen, die das Frohe Fest typischerweise nicht mit leicht bekleideten Weihnachtsmännern und Wassersport verbinden. „Ka kite ano“ (bis bald) sagt Hone, als er uns mit einem Hongi, dem māoritypischen Nasenkuss, bei dem der Lebensatem geteilt wird, verabschiedet. In Flip Flops und Shorts bahnt er sich den Weg raus in die Sonne, während wir die Winterjacken aus unseren Rucksäcken fischen….brrr

TEXT: Sandra Fischer/Fotos: Sandra Fischer – Anton Oleinik

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